Hintergrund
Vor mehreren Wochen habe ich (mal wieder) ein privates Webprojekt gestartet: bulitippspiel.net. Im Vordergrund standen und stehen eher die Funktionen und die „Machbarkeit“ als das Tippspiel an sich. Das Projekt wächst mehr und mehr, ich habe noch tausend Ideen im Kopf – aber, wie wahrscheinlich viele, für so ein Freizeitprojekt zu wenig Zeit.
Ich stehe daher im Moment vor der großen Frage: „Frickel“ ich so weiter (langsamer Fortschritt, eingeschränkte Möglichkeiten, Projekt bleibt definitiv klein), oder gehe ich einen anderen Weg und hole bzw. versuche mir noch andere Leute mit ins Boot zu holen. Für „Möglichkeit 2″ kam mir gleich der Gedanke: „Ich mach‘ die Sache Open-Source“.
Aber wie, warum wieso und weshalb? Gibt’s auch Nachteile? Bisher war Open-Source für mich eigentlich nicht mehr als „kostenlose Software, bei der man den Quelltext ansehen kann…“. Ein bisschen googeln hier, ein bisschen Informieren dort, brachten folgendes Zwischenergebnis (in Bezug auf “ bulitippspiel.net)“:
Vorteile von Open-Source
- Unzählige, kostenlose „Entwicklungsplattformen
Wenn man sein Projekt „Open Source“ stellt, kann man sein „Projektmanagment“ auf eine Onlineplattform, z.B: Sourceforge (Link sourceforge.net ) auslagern: Verwaltungsystem /Subversion), Bug-Tracking, Wiki, Blog, Forum: Meistens ist alles dabei und das Ganze ist vor allem kostenlos. Oft einzige Voraussetzung: Das Projekt muss eben „Open Source sein. Gerade Subversion ist schon ein starkes Pro-Argument. Mein Favorit bei den „Entwicklungsplattformen“: http://code.google.com/hosting - Einfachere „Projektteilnehmergewinnung“
Ganz klar: Mögliche Projektinteressenten müssen nicht erst lange fragen. Einfach den Sourcecode runterladen, sich das ganze anschauen und schon sieht man ob einem das Projekt gefällt oder auch nicht. - Projekt wird bekannter
Das Projekt wird durch das Einstellen auf eine der oben beschrieben „Open-Source-Plattformen“ auch für potenzielle Nutzer der Plattform bekannt.
Nachteile von Open Source
- „Bloßstellung“
Jeder, aber auch wirklich jeder kann den eigenen „Murkscode“ sehen, und eine äußerlich vielleicht ansehnliche Webapplikation könnte prinzipiell richtig schlecht programmiert sein. Das mag sogar bei mir zutreffen, aber das wäre für mich dann eher ein Vorteil vonOpen Source, denn dann könnte der Code verbessert werden – und ich was lernen. - Wissen/Arbeit wird verschenkt
Nichts neues: Ob der Code schlecht oder gut ist, es steckt verdammt viel Arbeit und „Herzblut“ drin. Die Anwendung an sich möchte ich ja kostenlos anbieten, dass irgendjemand sich den Quellcode einfach so krallt finde ich dann wiederum nicht ganz so gut… - Rechtliche Problematik
Für 10 Dollar habe ich ein paar kleine Bildchen für das Projekt „gekauft“. Problem: Die Rechte habe ich nur für eine Website und die Weitergabe ist explizit nicht erlaubt, d.h. diese Dateien müssten wieder herausgenommen werden - Websiteprojekt ist kein Softwareprodukt
Als Open-Source-Projekt könnte man sich „mein“ Bulitippspiel“ herunterladen und auf seinen Server stellen und sein eigenes „Bulitippspiel“ aufziehen. Das möchte ich aber eigentlich überhaupt nicht, sondern bulitippspiel.net sollte die einzige Anlaufstelle sein. Ein ganz wichtiges Kontra-Argument. Die Frage: Ist Open-Source daher überhaupt geeignet für Webprojekte?
Fazit
Eine Entscheidung habe ich noch nicht getroffen, Momentan tendiere ich aber (gerade wegen dem letzten Kontra-Punkt) eher gegen Open-Source. Erstmal bleibt BuliTippSpiel daher ein „Closed-Source-Projekt“ – bis auf weiteres…
Eine Frage hätte ich gleich mal: Kann man ein Open-Source-Projet eigentlich irgend wann mal wieder zu einem „Closed-Source“ Projekt machen? So auf die Art: „Jetzt habe ich keine Bock mehr, der aktuelle Stand bleibt meinetwegen Open-Source und jeder kann damit machen was er will, ich mache jetzt aber wieder Closed-Source weiter..:“
Frank meinte, das würde an der Lizenz liegen. Wieder was neues was man beachten muss…
Zu letzten Frage: „It depends“.
Die Rechte an deinem Code liegen immer noch bei dir, mit deinem Code kannst du immer machen, was du willst. Wenn du es also Open-Source machst, aber keinen fremden Code annimmst (z.B. weil keiner mitmacht) kannst du jederzeit Closed-Source weitermachen, unabhängig von der Lizenz.
Gleiches gilt, wenn alle Autoren, die Code beigetragen haben, dem zustimmen. Auch dann ist es unabhängig von der Lizenz.
Kritisch wird es erst, wenn nicht alle zustimmen und man nicht alle erreichen kann. Letzteres dürfte z.B. bei größeren Projekten irgendwann der Fall sein. Dann hängt es von der Lizenz ab. Die GPL erlaubt dies beispielsweise nicht, dafür müsstest du vorher sämtlichen Code, der von Leuten stammt, die nicht eingewilligt haben, entfernen.
Andere Lizenzen erlauben es, wie beispielsweise die BSD-Lizenz. Dann darf aber auch jeder andere dein Open-Source Projekt nehmen und damit Closed-Source weitermachen.
# 1 von Lim_Dul (2) am 19. März '07 um 13:41 Uhr